Nach Mobbing&Jobverlust hinaus in die Welt – Reisen als Therapie?

Reisen als Therapie
In der Nähe von Munnar, indischer Bundesstaat Kerala

Im aktuellen Interview zum Thema “allein reisen” habe ich mit Wolfgang von Groovy Planet gesprochen. Wolfgang ist gerade im südlichen Afrika unterwegs, zurzeit in Namibia. Vorher war er in Kuba und Mexiko.

Darüber berichtet er natürlich auch auf seiner Website.

 

Stell Dich und Deinen Blog doch bitte in 2-3 Sätzen vor.

Ich bin Wolfgang Käseler, eigentlich in Hannover zuhause, aber zunehmend in der Welt unterwegs.

Warum ich reise? Ich habe vor einiger Zeit in einer extremen Lebenssituation gesteckt.

Fachleute bezeichnen es als Mobbing. Das hatte mich zunächst krank gemacht und letztendlich meine seinerzeitige berufliche Karriere zerstört.

Seitdem dieser Prozess (im wahrsten Sinne des Wortes) überstanden ist, widme ich mich dem Entdecken fremder Länder und berichte auf meiner Website www.groovyplanet.de darüber.

Der Reiz liegt für mich vor allem darin, andere Kulturen kennenzulernen. Außerdem faszinieren mich die Geschichten der Menschen, die ich treffe.

 

Alleine Reisen – war das erste Mal eine bewusste Entscheidung oder eher „aus der Not heraus“, weil keiner Zeit hatte?

Weder noch. Es war vor allem ein Ergebnis der Lebenssituation, in der ich mich befand. Reisen war zunächst wohl Therapie, ganz sicher aber auch eine Art Flucht.

Nach und nach ist dann eine Leidenschaft daraus geworden. Es hat aber nie die Frage eine Rolle gespielt, ob ich allein reise oder nicht. Es war von vornherein klar, dass ich mein Projekt, um es mal so zu nennen, allein starte.

Reisen als Therapie
Victoriafälle, Sambia

 

Wohin ging Deine erste Solo-Reise? Wie war es?

Ich hatte bisweilen schon Pauschalurlaube allein gemacht. Zum Beispiel nach Griechenland. Oder in die Türkei. Das lasse ich aber nicht als Solo-Reise gelten. Da ging es ausschließlich um Urlaub. Um Umgebungswechsel und Erholung. Das übliche halt.

Das war easy-going und kaum vergleichbar mit dem, was ich inzwischen mache. Es war ein anderes Leben.

Mein erster Amerika-Trip dürfte die erste „richtige“ Solo-Reise gewesen sein. Ich bin nach Miami geflogen, von dort nach Buenos Aires und zum Schluss weiter nach New York, bevor es zurück nach Deutschland ging. Grund war ein unschlagbar günstiges Angebot, dem ich nicht widerstehen konnte.

Inzwischen würde ich das so aber nicht mehr machen. Denn es waren insgesamt nur etwa 3 Wochen, zu wenig Zeit für einen solchen Trip. Aber trotzdem war es toll. Und das erste Mal, dass ich überhaupt auf dem amerikanischen Festland war.

 

Glaubst Du, für Männer ist alleine reisen leichter / normaler als für Frauen?

Nein, eigentlich nicht. Es gibt ja auch genug Frauen, die das belegen. Nur solltest du dich als Frau etwas intensiver mit einigen Dingen, insbesondere kulturellen Unterschieden, beschäftigen.

Muslimische Länder sind für Frauen sicher anspruchsvoller in der Vorbereitung. Und auf die eine oder andere Mentalität solltest du dich auch einstellen, ich denke dabei etwa an das Macho-Gehabe in Lateinamerika.

 

Warum nicht?

Abgesehen von den kulturellen Aspekten, die ich genannt habe, ist Reisen einfach. Das Geschlecht spielt daher keine Rolle.

Du kommst heutzutage überall hin. Du kannst fast jedes Land problemlos bereisen, wenn du bestimmte Regeln beachtest. Krisengebiete einmal ausgenommen. Lonely Planet und Co. beleuchten beinahe jeden Winkel der Erde und fungieren quasi als Reiseleitung.

Niemand muss die gewohnte „Komfortzone“ verlassen. Denn auf viele Dinge brauchst du auch in der Ferne nicht zu verzichten. Egal, ob du in Indien, Zentralamerika oder Südostasien unterwegs bist, um nur einige beliebte Regionen zu nennen.

Reisen als Therapie
Chhattisgarh, Indien, beim Stamm der Bison-Horn Maria

 

Hattest Du Bedenken / Ängste vor Deiner ersten Solo-Reise? Welche?

Nein, so würde ich es nicht nennen, das klingt zu dramatisch. Bestimmte Gedanken, die waren natürlich da.

Aber das ist doch normal. Du reist in ein fremdes Land, auf einen anderen Kontinent, das beschäftigt dich und eine gewisse Spannung gehört doch auch dazu. Das ist ja gerade der Reiz, sonst wäre es ja langweilig.

 

Welche Tipps hast Du um diese Ängste zu überwinden?

Wer echte Ängste hat, muss ja nicht reisen. Es wird doch niemand dazu gezwungen.

Gibt es jedoch nur bestimmte Bedenken, macht es Sinn, sich gut zu informieren über das, was möglicherweise Bauchschmerzen bereitet. Ob es um Sicherheitsfragen, Gesundheitsthemen oder was auch immer geht. Oft ist sind es nur Informationslücken, die dazu führen, dass sich jemand (zu viele) Gedanken über etwas macht.

Vieles gibt sich aber auch automatisch mit der Zeit. Vor allem, wenn man feststellt, dass die Menschen überall auf der Welt freundlich und hilfsbereit sind. Ich finde, das ist etwas ganz entscheidendes.

Wenn man eine Weile unterwegs ist und sich auf das jeweilige Land einlässt, kann man ganz tolle Erfahrungen machen. Das Bereisen fremder Länder wird dadurch sehr angenehm. In Deutschland wäre vieles von dem, was ich bisher erlebt habe, überhaupt nicht vorstellbar. Manchmal ist das geradezu beschämend.

 

Wie reist Du alleine (individuell, Pauschal, Gruppe, …)? Warum?

Individuell. Ich brauche meine Freiheit. Ich muss selbst entscheiden können, wohin es geht, wie lange ich bleibe und einiges mehr.

Reisen als Therapie
Windhoek, Namibia

 

Welches war bisher Dein schönster Moment, alleine auf Reisen und was hat ihn besonders gemacht?

Diesen einen Moment kann es nicht geben. Dazu gibt viel zu viele schöne Augenblicke. Wer mag da eine Rangfolge festlegen?

Manchmal sind es auch gar keine bestimmten Momente, es sind gewisse Orte, die einen besonderen Reiz ausüben.

Und ganz oft ist das auch mit interessanten Begegnungen verbunden.

 

Gibt es Situationen, in denen Du Dir einen Reisepartner wünschst? Welche sind das?

Nein, ich mag es, allein zu reisen. Und allein reisen bedeutet ja nicht automatisch, immer allein sein. Das wäre ja schlimm. Tatsächlich gibt es doch immer wieder spannende Begegnungen mit interessanten Menschen.

Wobei ich aber eher den Kontakt zu Einheimischen suche als den zu anderen Reisenden. Ich will ja das jeweilige Land kennenlernen und das geht am besten im Kontakt mit seinen Menschen.

 

Welches war Dein schlimmstes Erlebnis, alleine auf Reisen?

Zum Glück wurde ich bisher von schwerwiegenden Vorkommnissen verschont. Unglück, Überfall, schwere Erkrankung und solche Dinge. Ich hoffe, das bleibt so. Wobei ja grundsätzlich immer etwas passieren kann. Genau wie zu Hause auch.

Davon abgesehen sind gesundheitliche Beeinträchtigungen natürlich nie schön. Kürzlich in Kuba hat es mich erwischt, mit hohem Fieber, Übelkeit usw., nach 2 Tagen war aber alles überstanden.

Reisen als Therapie
Kanyakumari, Südindien

 

Welche 3 Tipps kannst Du anderen geben, die sich noch nicht so richtig trauen, alleine zu reisen?

Zunächst einmal würde ich „klein“ anfangen. Es muss ja nicht gleich eine Weltreise sein. Warum nicht mit einem Trip innerhalb Europas starten, zum Beispiel nach Portugal, eines meiner Lieblingsländer? Da kommst du gut und günstig hin. Es ist sicher dort und das Land bietet vielfältige Reize. Mit einer solchen Erfahrung kannst du anschließend etwas „größeres“ in Angriff nehmen.

Wer nicht allein reisen mag, für den besteht außerdem die Möglichkeit, sich eine Reisepartnerin oder einen Reisepartner zu suchen. Es gibt entsprechende Internet-Foren. Die kenne ich selbst allerdings nicht, da das für mich nicht interessant ist. Und auch unterwegs gibt es ja genügend Gelegenheiten, sich mit anderen Reisenden zusammenzuschließen.

Last but not least: Ich bin ein großer Fan von Airbnb. Damit habe ich ganz tolle Erfahrungen gemacht. Großartige Gastgeber und nette Unterkünfte haben schon mehrfach dafür gesorgt, dass ich mich wie zuhause gefühlt habe. Da denkst du dann überhaupt nicht mehr daran, dass du allein unterwegs bist.

 

Danke Wolfgang für dieses schöne Interview!

 

Mehr zu Wolfgangs Reisen findet ihr auf seinem Blog Groovyplanet.

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