Dieses „ Besser geht’s nicht “-Gefühl

Great Ocean Road
Great Ocean Road

Heute begrüße ich Elke.

Sie hat schon jede Menge Erfahrung im Alleine reisen, mit 7 war sie das erste Mal alleine unterwegs.

Heute erzählt sie wie sie zum Alleine Reisen kam und was ihr daran gefällt.

 

Stell Dich (und Deinen Blog) doch bitte mit 2-3 Sätzen vor.

Ich bin Elke, (gerade noch) 49 Jahre alt, Betriebswirtin und Stadtführerin, gebürtige Saarländerin mit langjähriger Wahlheimat in Berlin. Zuhause fühle ich mich aber auch auf meinen Reisen, von denen ich einige öfter und gerne alleine unternehme. Es bereichert mich sehr, in allen Ecken der Welt zu erleben, wie anders man das Leben anpacken kann.

 

Alleine Reisen – War das erste Mal eine bewusste Entscheidung oder eher „aus der Not heraus“, weil keiner Zeit hatte?

Das war eine bewusste Entscheidung. Ich hatte einfach Lust, mal was auf eigene Faust zu erleben, ohne mich immer mit jemandem absprechen zu müssen.

 

Hattest Du Bedenken/Ängste wor Deiner ersten Solo Reise? Welche?

Nein. Ich hatte das große Glück, in einem Elternhaus aufzuwachsen, in dem ich schon früh lernte, eigenständig und nicht zu ängstlich zu sein. Bereits im zarten Alter von 7 Jahren verbrachte ich 3 Wochen ohne Eltern mit einem Kinderferienwerk in Südtirol. Früh übt sich.
Auf meinen späteren Reisen „richtig“ alleine war für mich immer klar, dass selbst ein worst case in den Griff zu kriegen ist. Wenn es mal schwierig wird, bittet man eben andere Menschen um Hilfe. Die ist mir noch nie verweigert worden.

Besser gehts nicht
Elke

 

Wohin ging Deine erste Solo Reise? Wie war es?

Meine erste Solo-Reise ging an die Westküste der USA. Ist ewig her, da war ich gerade 19 Jahre alt. Für den Anfang hatte ich mir zum Ausprobieren eine Kombi zurecht gelegt: ein Teil der Reise war eine organisierte Camping-Rundfahrt in einer Kleingruppe (ich kannte da vorher keinen), der zweite Teil war dann der „richtige“ Solo-Part.

Das Alleinsein habe ich nach der Gruppenreise mehr als genossen! Ich fand es toll, z.B. San Francisco auf eigene Faust zu entdecken, mich durchzufragen, wenn ich selber den Überblick verloren hatte, auf Umwegen Dinge zu entdecken, die ich gar nicht auf dem Schirm hatte, mich nach Lust und Laune treiben zu lassen, ohne mich mit anderen abstimmen zu müssen. Kurz: es war herrlich!

Hong Kong
Hong Kong

 

Wie reist Du alleine (individuell, Pauschal, Gruppe, …)? Warum?

Manchmal in einer Kleingruppe, meist aber individuell.

Wenn ich Lust auf einen Wanderurlaub habe, buche ich eine Kleingruppenreise (bis max. 12 Personen, bei mehr Leuten kriege ich sehr schnell einen Koller …). Das hat den Vorteil, dass ich mir keinen Kopf um die Wanderrouten machen muss und wie ich wo hin und wieder weg komme.

In manchen Gegenden (z.B. die Kanadischen Rocky Mountains) hätte ich mir zudem das Solo-Wandern wegen der Bären auch nicht zugetraut. Wichtig für mich, wenn ich eine Gruppenreise buche: ich nehme niemals Freunde und Bekannte dazu mit. Denn dann entstehen „soziale Ansprüche“, die ich während meines Urlaubs nicht bereit bin, zu erfüllen. Z.B. will ich mich nach einem langen Wandertag in der Gruppe nicht verpflichtet fühlen, auch abends was mit Freundin X unternehmen zu müssen, nur weil diese nicht alleine sein kann/will.

Wenn ich abends Lust habe auf Unterhaltung, finden sich in der Gruppe immer welche, die noch mit mir ausgehen wollen. Wenn ich Lust habe, mich mit einem Buch ins Zimmer zu verziehen, fragt keiner nach. Vor Freunden steht man da schnell unter Rechtfertigungsdruck. Da mag ich es lieber unverbindlich.

Meist jedoch reise ich individuell, wenn ich alleine unterwegs bin. Warum? Weil es Spaß macht!

Ich kann tun und lassen, was ich will, kann spontan meine Pläne ändern oder erst gar keine aufstellen. Ich bin aufmerksamer meiner Umgebung gegenüber, weil keine Gespräche von dem ablenken, was gerade um mich herum passiert.

Ich lerne leichter neue, interessante Menschen kennen, weil ich offener bin, wenn ich alleine unterwegs bin. So manches schöne Erlebnis hätte es sicher nicht gegeben, wenn ich mit anderen unterwegs gewesen wäre. Schon oft haben sich tolle Gespräche und schöne, unverhoffte Kurzausflüge an Orte ergeben, an die ich sonst eher nicht gekommen wäre, weil ich Einheimische angesprochen oder um Rat gefragt habe. Das mache ich in Begleitung eher nicht.

Last but not least macht es mich auch stolz, wenn ich Situationen, mit denen ich unterwegs konfrontiert wurde, alleine gemeistert habe. Das gibt auch Selbstbewusstsein!

besser geht´s nicht
Vancouver

 

Welches war bisher Deine schönster Moment, alleine auf Reisen und was hat ihn besonders gemacht?

Schwer zu sagen, es gab so viele! Aber wenn ich mich festlegen soll, dann wähle ich diesen: Vancouver Island (Kanada), auf einem Wanderpfad irgendwo zwischen Tofino und Ucluelet.

Da ich alleine immer ohne Auto unterwegs bin, fuhr ich mit dem Linienbus und stieg an einer recht einsam gelegenen Haltestelle aus. Dort warnte ein Hinweisschild vor einem jungen Puma, der dort in der Gegend herum streift. Unschlüssig stand ich da, unsicher, ob ich den Wanderweg wagen sollte oder nicht.

Just in dem Moment kam eine Kanadierin in Begleitung ihres Hundes vorbei und fragte mich, ob sie helfen könne. Ich schilderte mein Dilemma. Sie meinte, sie sei eh mit ihrem Hund noch ein Weilchen draußen, da könne sie mich auch auf dem Wanderweg ein Stück begleiten. Man könne sich ruhig trauen, trotz Puma … Gesagt, getan!

In netter Gesellschaft startete ich dann auf dem fantastischen Küstenweg, den ich später alleine fortsetzte. Es war ein kühler, windiger, aber sehr sonniger Tag im September. Genau das Wetter, das ich mag. Der nichttropische Regenwald und die wilde Pazifikküste Vancouver Islands sind in ihrer zerzausten Wildheit eine Schönheit.

Um diese noch ausgiebiger auszukosten, machte ich eine Pause auf einer Bank in der Sonne, direkt oberhalb der Küste. Ich blickte auf das grandiose Naturschauspiel vor mir und wurde in dem Moment von einem intensiven Glücks- und Freiheitsgefühl überflutet. In dem Moment war ich sehr dankbar für alles, was mir das Leben gerade bot: Zeit und die Möglichkeit, länger zu reisen, an einem tollen Ort zu sein, netten Menschen zur passenden Zeit zu begegnen, die Freiheit, tun und lassen zu können, was ich will. Dieses „Besser geht’s nicht“-Gefühl: only the sky is the limit, oder so.

Der schönste Moment NACH einer Reise war allerdings die Zusage eines Verlages, meinen Australien-Reisebericht als Buch zu veröffentlichen. Damit war ein lange von mir gehegter Traum in Erfüllung gegangen.
Du hast Lust mehr über meine Australienreise zu lesen? Hier geht es zum Buch: Count.Down.Under – Ausstieg auf Zeit – Eine Reise alleine ans andere Ende der Welt

Kata Tjuta Australien
Kata Tjuta Australien

 

Gibt es Situationen in denen Du Dir einen Reisepartner wünschst? Welche sind das?

Ich reise ja nicht immer alleine. Es gibt Touren, die unternehme ich mit meinem Mann. Und andere eben alleine. Von daher sind meine Wünsche nach einem Reisepartner schon erfüllt, da ich ja beides habe.

Wenn ich alleine unterwegs war, habe ich bisher noch nie das Bedürfnis nach einem Reisepartner gehabt. Alleine zu verreisen war in allen besagten Fällen ja eine bewusste Entscheidung. Wenn ich mal nicht gut drauf bin, Gespräch oder einen Rat brauche: es gibt immer Menschen vor Ort! Oder Skype.

 

Welches war Dein schlimmstes Erlebnis, Alleine auf Reisen?

In Alice Springs (Australien) hatte ich mir durch länger nicht gekühltes Essen eine fiese Magen-Darm-Verstimmung eingefangen. Ausgerechnet an dem Tag, an dem abends die Weiterfahrt, ein vorgebuchter 24-Stunden-Ritt mit dem Zug, anstand.

Aber Glück im Unglück: das Hotel verlängerte ohne Extrakosten meine Check-Out-Zeit bis abends, man brachte mir sogar Tee ins Zimmer. Ich berappelte mich bis abends dann noch so weit, dass ich irgendwie aus dem Bett kam, meine Sachen packen und per Taxi zum Bahnhof düsen konnte. Die besagten Organe hielten durch, nach zwei Tagen nix essen und nur Tee trinken war dann alles wieder ok. Alles halb so wild.

Coney Island New York, USA
Coney Island New York, USA

 

Welchen Reisetraum möchtest Du Dir unbedingt noch erfüllen?

Eine Solotour ohne Auto durch Neuseeland.

 

Welche 3 Tipps kannst Du anderen Mädels geben, die sich noch nicht so richtig trauen alleine zu reisen?

1. Denkt im Vorfeld nicht zu viel darüber nach, was alles passieren oder schief gehen könnte. Jeder von euch sind im normalen Alltag schon Hürden in den Weg gestellt worden, und irgendwie sed ihr dann da auch drüber oder dran vorbei gekommen. Auf Reisen ist das nicht anders. Und wenn gar nix anderes hilft und es euch gar nicht gefällt, alleine unterwegs zu sein: der Weg nach Hause steht jederzeit offen.

2. Ihr seid nur dann alleine, wenn ihr alleine sein wollt. Wenn euch unterwegs das Bedürfnis nach Gesellschaft befällt: es gibt überall nette Menschen! Ihr müsst euch nur trauen, sie anzusprechen. Seid freundlich und offen, dann klappt das auch.

3. Sucht euch für eure erste Solo-Tour ein Ziel aus, das nicht so weit weg liegt. Fangt mit einem verlängerten Wochenende oder einer Woche an. Überschaubare „Häppchen“ sind leichter verdaulich und machen doch Appetit auf mehr.

 

Was löst bei Dir dieses besser geht´s nicht Gefühl aus?

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