Frankreich überrascht mich immer dann am meisten, wenn ich es gar nicht erwarte. Nicht in den großen Städten, nicht an den bekannten Küsten, sondern irgendwo dazwischen. Dort, wo ich mit dem Van durch schmale Straßen tuckere, wo das Navi zögert und wo auf einmal ein Ort auftaucht, den ich vielleicht gar nicht auf meiner Liste hatte. Genau diese Orte bleiben hängen – weil sie mich bremsen, entschleunigen, erden.
Auf dieser Reise, still, kühl und irgendwie wunderbar sanft, habe ich gleich drei davon gefunden: Pérouges, Aiguèze und Lunas. Orte, die nicht laut sind. Orte, an denen du nicht rennen musst. Orte für Frauen, die unterwegs sein wollen – aber ohne Druck. Genau diese drei möchte ich dir heute mitnehmen. Ohne Must-Do-Liste. Ohne großen Reiseführer-Kopf. Einfach so, wie sie sich angefühlt haben.
Pérouges – Mittelalter & Galette
Pérouges fühlt sich an wie eine Zeitreise. Du läufst durch das alte Stadttor, und plötzlich wird alles ruhiger. Die Gassen sind eng, die Steine uneben, die Häuser schief – als würde hier seit Jahrhunderten niemand etwas verändern. Genau dieser mittelalterliche Flair ist das, was Pérouges für mich so besonders macht. Im November, wenn kaum jemand unterwegs ist, wirkt der Ort noch stiller, noch ursprünglicher. Du hörst deine Schritte auf dem Kopfstein, den Wind zwischen den Mauern, vielleicht eine Stimme in der Ferne – mehr nicht.

Und dann gibt es da noch ein kleines Extra, das perfekt zu dieser Stimmung passt: die Galette de Pérouges. Dünn, buttrig, süß, leicht karamellisiert. Nicht der Grund, warum ich mich in den Ort verliebt habe – aber definitiv ein Genussmoment, der die Zeitreise abrundet. Warm schmeckt sie am besten, am liebsten irgendwo im Dorf, wo du kurz stehen bleibst und einfach den Moment spürst.

Lauf langsam durch die Gassen, schau in Türen, Innenhöfe und Gesichter. Ein kleines Atelier hier, ein Handwerksladen dort. Vielleicht ein kurzer Blickkontakt, vielleicht nur ein leises Bonjour. Pérouges verlangt nichts von dir. Es lädt dich ein, da zu sein, zu schauen, zu atmen. Gerade wenn du alleine reist, fühlt es sich genau richtig an: frei, leicht und voller Geschichten.

Wenn du magst, bleib ein paar Stunden. Setz dich an eine warme Steinwand, hol dir etwas zu trinken oder lies ein paar Seiten im Buch. Pérouges lässt dich ankommen – ohne Eile, ohne Erwartungen. Und genau das macht diesen Ort zu einem meiner liebsten Frankreich Geheimtipps.

Aiguèze – Dorf & Ardèche-Blick
Aiguèze liegt wie ein Adlernest über dem Fluss. Schmal, steinig, verwinkelt. Ein Dorf, das wirkt, als hätte es seit Jahrhunderten keine Eile. Ich bin früh am Morgen angekommen, Nebel über dem Wasser, kaum Menschen wach. Das war perfekt. Ich hatte den Ort fast für mich, bin langsam durch leere Bogengänge gelaufen, Treppen hoch, Mauern entlang – bis sich der Blick öffnete.

Und genau dieser Blick ist der Grund, warum Aiguèze zu den stillsten Frankreich Geheimtipps auf meiner Reise wurde. Unten glitzert die Ardèche im Sonnenlicht, grün, ruhig, langsam. Die Felsen fallen steil ab, der Wind geht leicht, und für einen Moment denkst du: wow. Du musst nichts sagen, du musst nicht fotografieren, du kannst einfach schauen. Und genau darum lohnt es sich so sehr.

Später kannst du runter zum Wasser. Im Sommer zum Baden, im Herbst zum Sitzen, zum Schreiben, zum Denken. Ich liebe Orte, die beides können: Dorf & Natur. Mauern & Weite. Aiguèze ist so ein Ort. Ein Ort, der dich gleichzeitig wach und sanft macht.

Setz dich einfach auf die Mauer, lass die Beine baumeln. Trink etwas Warmes, wenn die Luft kühl ist. Spür die Ruhe. Wenn du willst, geh wandern. Wenn du nicht willst – bleib einfach.

Lunas – Stellplatz & Aussicht
Lunas war für mich kein Ziel, sondern ein Zufallsfund. Und genau diese Orte sind oft die, die im Herzen bleiben. Ein kleines Dorf, ein See mitten drin, Felsen drumherum – und dazu ein kostenloser Stellplatz, der richtig schön ist. Im November war es kalt aber mit Sonnenschein und blauem Himmel trotzdem wunderschön.

Nach dem Frühstück bin ich hoch – zur Fortresse du Redondel. Nicht lang, nicht schwer, aber wunderschön. Oben siehst du Lunas wie ein Modell: Dächer, Wasser, Felsen, Wege. Ich stand dort lange, habe einfach geschaut. Kein Geräusch, kein Stress, kein Programm. Nur Aussicht und Freiheit.

Lunas ist kein Ort für Action. Nicht für „Ich will zehn Dinge sehen“. Lunas ist für dich, wenn du runterkommen willst. Wenn du Pause brauchst. Wenn du im Van lebst oder mit Rucksack unterwegs bist und einen Ort suchst, der dich auffängt. Genau diese Art Orte sind für mich die echten Frankreich Geheimtipps – weil sie nichts von dir wollen, außer dass du da bist.

Fazit – drei Orte, drei Stimmungen
Pérouges ist warm und süß und voller Geschichte.
Aiguèze ist Stein, Fluss und Blick.
Lunas ist See, Stellplatz, Stille.
Keiner dieser Orte ist laut. Keiner groß.
Aber jeder davon ist ein kleines Frankreich-Geschenk.
Und wenn du im November reist – bekommst du sie fast für dich allein. Drei Frankreich Geheimtipps, die dich still machen, berühren und ein Stück länger im Herzen bleiben.

