Der Torghatten ist einer dieser Orte, die man schon lange kennt, bevor man überhaupt dort war.
Fotos vom Berg mit dem Loch. Geschichten. Sagen. Und dieses Gefühl von: Irgendwann stehe ich da selbst.
Der Torghatten liegt direkt am Kystriksveien, einer der schönsten Küstenstraßen Norwegens. Meine gesamte Route entlang der Fv 17 findest du hier im ausführlichen Reisebericht zum Kystriksveien.
In diesem Artikel nehme ich dich mit auf meine Torghatten Wanderung in Norwegen – vom Parkplatz über den steilen Aufstieg, durch das berühmte Loch im Berg bis hinunter zum entspannten Rückweg am Wasser. Eine kurze, aber eindrucksvolle Wanderung mit vielen Stufen, großartigen Aussichten und genau dieser Mischung aus Bewegung, Staunen und Ruhe, die ich am Wandern so liebe.
Du erfährst, wie der Weg verläuft, was dich unterwegs erwartet, warum der Blick auf der anderen Seite des Lochs so besonders ist – und weshalb sich diese Tour auch dann lohnt, wenn du eigentlich „nur kurz“ anhalten wolltest.
Start am Parkplatz – unkompliziert und direkt im Geschehen
Der Parkplatz liegt direkt am Fuße des Berges. Gut ausgeschildert, mit Toiletten und einer Übersichtstafel zum Rundweg. Alles klar strukturiert, aber nicht überinszeniert.
Von hier aus sind es etwa 4 Kilometer als Rundtour. Rund 300 Höhenmeter. Je nachdem, wie oft du stehen bleibst, brauchst du 1,5 bis 2 Stunden.
Ich entscheide mich, gegen den Uhrzeigersinn zu gehen.
Das bedeutet: Der steilere Anstieg kommt zuerst.
Und das ist gut so.

Der Aufstieg
Es geht direkt los.
Stufen aus Naturstein, immer wieder in den Hang gesetzt. Der Weg ist gut angelegt, aber er fordert dich. Der Puls steigt schnell, die Beine arbeiten.
Ich mag das.
Dieses ehrliche Bergauf.
Keine lange Einlaufphase. Kein sanftes Warmlaufen.
Du gehst.
Und du merkst, dass du gehst.
Zwischendurch drehe ich mich um. Unter mir das Meer. Die Küste. Kleine Inseln. Schon hier wird klar: Die Aussicht wird heute nicht das Problem.

Und dann steht man plötzlich davor
Nach einer Kurve sehe ich es: Das Loch.
Und auch wenn man weiß, dass es da ist – es überrascht trotzdem.
Es ist größer, als man denkt. 35 Meter hoch. 20 Meter breit. Ein riesiges Fenster im Fels.
Je näher ich komme, desto stiller werde ich.

Man geht tatsächlich in den Berg hinein.
Der Fels um dich herum. Das Licht von oben. Der Blick zurück durch das Loch Richtung Meer.
Drinnen ist es kühl. Der Wind zieht leicht hindurch.
Und plötzlich wirkt alles langsamer.
Ich bleibe stehen. Nicht für ein Foto. Sondern einfach so.

Die Aussicht auf der anderen Seite
Dann trittst du auf der anderen Seite hinaus und der Ausblick ist der Wahnsinn.
Meer. Inseln. Weite. Alles liegt offen vor dir. Dieses Licht, diese Klarheit, diese unfassbare Tiefe im Blick – ich stand einfach nur da und musste erstmal schauen.
Ein paar Meter weiter steht eine Bank. Genau dort habe ich mich hingesetzt. Rucksack ab. Durchatmen. Und einfach nur diese Aussicht aufgenommen.

Ich war ganz allein dort oben. Nur zweimal kamen andere Wanderer vorbei, ein kurzes Nicken, ein leises „Hej“ – und dann wieder Stille. Natürlich gab es ein Picknick. Brot, einen Apfel, irgendwas Süßes, Wasser. Nichts Besonderes – und gleichzeitig genau richtig für diesen Moment.
Ich habe lange dort gesessen. Nicht, weil ich müde war, sondern weil ich gar nicht weg wollte. Irgendwann habe ich mich dann an den Abstieg gemacht.

Die Sage vom Loch im Berg
Natürlich gibt es auch eine Geschichte.
Der Troll Hestmannen soll einen Pfeil auf die schöne Lekamøya geschossen haben. Der Troll Torgar warf seinen Hut dazwischen, um sie zu schützen. Der Pfeil durchschlug den Hut – und mit dem ersten Sonnenlicht erstarrten alle zu Stein.
Der Hut ist heute der Torghatten.
Ob man an Trolle glaubt oder nicht – in dieser Landschaft wirken solche Geschichten erstaunlich passend.
Der Abstieg – langsamer, weiter Blick
Der Weg führt weiter hinunter. Wieder viele Stufen, aber sie fühlen sich leichter an. Der Körper ist warm, der Kopf ruhig.
Immer wieder öffnet sich der Blick auf das Meer.
Man bleibt automatisch stehen. Nicht, weil es nötig ist – sondern weil man will.

Unten wird der Weg flacher.
Er führt am Wasser entlang zurück Richtung Parkplatz.
Nach dem Berg wirkt dieser Abschnitt fast meditativ.
Kein Anstieg mehr. Nur Gehen. Atmen. Nachspüren.
Ich setze mich noch kurz ans Wasser.
Schaue aufs Meer.
Und lasse die Wanderung nachklingen.

Der Torghatten bleibt für mich kein Fotospot, sondern ein Erlebnis.
Der Aufstieg.
Das Gehen durch den Fels.
Der Moment auf der anderen Seite.
Und der ruhige Rückweg am Wasser.

Man fährt weiter auf dem Kystriksveien – aber dieser Berg fährt ein Stück mit.
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