Senja wollte ich während meiner Zeit in Norwegen unbedingt besuchen. Ich hatte viel gelesen, viele Bilder gesehen, mir vorgestellt, wie es sich anfühlen könnte, dort unterwegs zu sein. Steile Berge, schmale Straßen, das Meer immer nah, Wetter, das macht, was es will. Senja hatte in meinem Kopf etwas Raues, Eigenes. Weniger glatt als die Lofoten. Weniger offensichtlich.
Als wir schließlich mit dem Van dort ankamen, war schnell klar: Senja ist genau so wie ich es mir vorgestellt hatte, nur noch viel schöner.
Ich war auf Senja wieder mit Alex unterwegs. Wir haben uns Zeit gelassen, angehalten, sind weitergefahren und haben auf besseres Wetter gewartet. Es war eine wundervolle und abwechslungsreiche Zeit, auch wenn nicht alles so lief wie geplant.
Allgemeine Infos zu Senja
Senja ist die zweitgrößte Insel Norwegens und liegt im Norden des Landes, in der Region Troms. Oft wird sie als „die kleine Schwester der Lofoten“ bezeichnet – ein Vergleich, der hilft, aber Senja nicht ganz gerecht wird. Denn die Insel ist eigenständig. Wilder. Weniger inszeniert.
Die Landschaft ist geprägt von steilen Bergen, die direkt aus dem Meer aufragen, tief eingeschnittenen Fjorden, kleinen Orten und langen Küstenabschnitten. Viele der bekanntesten Aussichtspunkte liegen entlang der Norwegischen Landschaftsroute Senja, einer spektakulären Panoramastraße, die sich an der Westküste entlangzieht.
Das Wetter auf Senja ist wechselhaft. Sonne, Regen, Wind und dichte Wolken können sich mehrmals am Tag abwechseln. Gerade das macht die Insel aber auch spannend. Licht und Stimmung verändern sich ständig, und selbst bekannte Spots wirken jedes Mal anders.
Die beste Reisezeit liegt zwischen Juni und September. Auch dann ist man gut beraten, flexibel zu bleiben. Senja ist kein Ort für straffe Pläne, sondern für langsames Reisen, für Pausen und für Tage, an denen man einfach schaut, was geht.

Unterwegs auf der Norwegian Scenic Route Senja
Die Norwegian Scenic Route Senja ist keine klassische Küstenstraße, die man einmal komplett „abfährt“. Sie verbindet Botnhamn und Gryllefjord und führt durch sehr unterschiedliche Landschaften: entlang von Fjorden, durch kleine Orte, über offene Abschnitte mit Blick aufs Meer und immer wieder hinein in bergiges Gelände.
Genau das macht diese Panoramastraße so besonders. Die Landschaft verändert sich ständig. Mal fährt man nah am Wasser, mal öffnet sich der Blick weit über Fjorde und Berge. Dann wieder ziehen Wolken tief, der Regen setzt ein, und alles wirkt plötzlich still und fast mystisch.
Wir sind viele Abschnitte dieser Route gefahren, haben immer wieder angehalten, geschaut, gewartet. Nicht jeder Aussichtspunkt zeigt sich sofort von seiner besten Seite. Aber gerade dieses Wechselspiel aus Licht, Wolken und Bewegung gehört auf Senja einfach dazu.

Übernachten am Knuten – und morgens hinauf
Wir haben am Parkplatz unterhalb des Knuten übernachtet. Von hier starten mehrere längere Wanderungen, aber wir haben uns bewusst für die kurze entschieden – nur hinauf auf den Knuten selbst. Der Hügel ist mit rund 110 Metern kein großer Gipfel, aber der Blick von oben ist beeindruckend.

Der Mefjorden liegt ausgebreitet vor dir, das Dorf Mefjordvær wirkt klein und ruhig, und die Berge rahmen alles ein. Am Abend sind wir noch einmal hinaufgegangen, das Licht stand tief, das Wasser spiegelte die Farben des Himmels.

Am nächsten Morgen lag alles klar vor uns, fast sachlich, fast ruhig. Genau diese zwei Stimmungen – Abend und Morgen – haben diesen Platz für mich besonders gemacht.

Tungeneset – Regen, Wind und trotzdem besonders
Tungeneset stand natürlich auch auf unserer Liste. Als wir dort ankamen, war das Wetter alles andere als freundlich. Regen, Wind, grauer Himmel. Und trotzdem hatte der Ort eine besondere Wirkung.
Die Stege führen hinaus zwischen Felsen und Meer, das Wasser schlägt gegen die Küste, alles wirkt roh und direkt. Gerade bei diesem Wetter hatte Tungeneset etwas Ehrliches. Kein Postkartenmotiv, sondern Nordnorwegen, wie es ist.

Bergsbotn – Weite auf einen Schritt hinaus
Der Aussichtspunkt bei Bergsbotn gehört für mich zu den eindrucksvollsten Momenten entlang der Scenic Route. Der Steg ragt weit über den Hang hinaus und öffnet den Blick tief in den Bergsfjord. Als wir dort standen, hingen Wolken in den Bergen, Nebel zog durch das Tal, und das Wasser unten wirkte ruhig und schwer.
Der Steg ist klar gebaut, fast reduziert – und genau deshalb lenkt nichts vom Blick ab. Man tritt hinaus, steht über dem Hang, und sieht, wie sich Fjord, Wald und Berge ineinanderfügen. Ein Ort, an dem man automatisch langsamer wird.

Husøy und der Leuchtturm im richtigen Moment
Ein weiteres Highlight war der Besuch in Husøy. Der kleine Ort liegt direkt am Meer und wirkt ruhig und aufgeräumt. Mein persönlicher Lieblingsmoment dort war der Blick auf den Leuchtturm, eingerahmt von einer spektakulären Wolkenkulisse.

Die Wolken kündigten bereits den nächsten Regen an, das Licht war dramatisch, der Himmel in Bewegung. Genau solche Momente bleiben hängen. Nicht geplant, nicht perfekt – aber stark.

Wanderung zum Husfjellet – bis zur Hochebene Sommardalen
Der Ausgangspunkt für die Wanderung zum Husfjellet liegt nahe der Orte Skaland und Bøvær an der Nordwestküste von Senja. Von der Fv 862 geht es Richtung Skaland, bis man den kleinen Ort erreicht. Der Startpunkt der Tour befindet sich an einem kleinen Parkplatz neben der Bergkirche. Falls dort kein Platz mehr ist, kann man alternativ beim JOKER-Supermarkt parken.

Direkt am Parkplatz steht eine Informationstafel mit Karte und Tourdetails. Hier erfährt man auch, dass diese Route als „Dronningstien“ bekannt ist – weil Norwegens Königin diese Wanderung mehrfach gegangen ist. Ein schöner Gedanke, aber kein Grund für falsche Ehrfurcht. Der Weg ist gut machbar, wenn man sich Zeit lässt.

Die ersten Meter führen auf einem schmalen Pfad durch niedrige Bäume und Sträucher, bevor man auf einen breiteren Forstweg trifft. Dieser zieht sich gleichmäßig nach oben. Es gäbe eine Abkürzung über einen schmalen Pfad durch sumpfiges Gelände, aber wir bleiben auf dem längeren, trockeneren Weg – der sich später ohnehin wieder trifft.

Nach einiger Zeit passiert man zwei offene Schutzhütten, die frei genutzt werden dürfen. Danach wird der Weg schmaler und steiler und führt durch ein Birkenwäldchen. Markierungen sind hier spärlich, aber der Pfad ist gut erkennbar. Es geht stetig weiter bergauf, bis man oberhalb der Baumgrenze das erste Mal richtig Weite spürt.

Dann öffnet sich die Landschaft – und man erreicht die Hochebene Sommardalen auf etwa 327 Metern Höhe. Hier verändert sich die Stimmung spürbar. Heideflächen, offenes Fjell, klare Luft. Ein Wegweiser, ein Briefkasten mit Gipfelbuch und der Blick hinüber zum Bergsfjorden markieren diesen Punkt. Wir tragen uns ein, setzen uns und schauen.

Es muss nicht immer der Gipfel sein
Ab hier ist der Husfjellet durchgehend sichtbar. Noch einmal rund 300 Höhenmeter würden folgen, zunächst sogar ein kleines Stück bergab durch feuchtes, mooriges Gelände, bevor der eigentliche Aufstieg beginnt.

Für uns war an diesem Punkt Schluss. Das Sommardalen war genau der richtige Ort, um umzudrehen. Weite, Licht, Ruhe. Die Aussicht war da, das Erlebnis rund. Und manchmal ist genau das der richtige Moment: nicht weiterzugehen, sondern bewusst stehenzubleiben.
Und das sind wir hier eine ganze Weile, stehengeblieben und Aussichten genossen. Dann noch ein Picknick an “unseren Gipfel” und es ging wieder zurück zum Parkplatz, stets begleitet von wundervollen Aussichten.

Gryllefjord – Ankommen, warten, entdecken
Unsere Zeit auf Senja endete in Gryllefjord, wo wir auf die Fähre Richtung Andøya gewartet haben. Der Hafen wirkt unscheinbar, aber ein Spaziergang durch den Ort lohnt sich. Kleine Details, Boote, Häuser, das Leben am Rand des Meeres.

Dieses Warten hatte etwas Ruhiges. Ein Abschluss ohne großes Finale. Genau passend zu Senja.

Warum Senja bleibt
Senja hat mir genau das gegeben, was ich draußen suche: Weite, Bewegung, Lichtwechsel und Landschaften, die nicht auf Knopfdruck funktionieren. Berge, die plötzlich aus dem Meer auftauchen. Straßen, die sich durch offene Landschaft ziehen. Stellplätze mit Blicken, bei denen man automatisch langsamer wird.
Ich habe nicht alles gemacht, was möglich gewesen wäre. Manche Wanderungen blieben wegen Wetter oder Kondition offen. Und trotzdem war jeder Tag draußen intensiv. Die Aussichten, die Farben, das Spiel aus Sonne, Wolken und Regen – all das war ständig in Bewegung.

Senja ist für mich eine Insel, die Raum lässt. Für Pausen. Für Entscheidungen unterwegs. Für Tage, an denen man viel geht – und für solche, an denen man einfach bleibt und schaut.
Ich würde jederzeit wiederkommen. Mit Zeit. Mit Lust auf draußen sein. Und mit dem Wissen, dass genau diese Mischung aus Natur, Straße und Momenten unterwegs das ist, was für mich zählt.
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