Leka Norwegen – Lekamøya und Skeisnesset

Manche Orte fühlen sich schon besonders an, bevor man überhaupt angekommen ist.
Leka war für mich genau so ein Ort.

Ich hatte von dieser Insel gelesen, Bilder gesehen, die Sage gehört – und trotzdem war da dieses Gefühl: Das hier wird anders. Ruhiger. Eigenwilliger. Und genau richtig.

Leka liegt vor der Küste Nordnorwegens und gehört zur Helgelandregion. Eine kleine Insel, überschaubar, unspektakulär auf den ersten Blick – und genau deshalb so stark. Hier geht es nicht um Sehenswürdigkeiten im klassischen Sinn. Es geht um Landschaft, um Erdgeschichte, um Mythen. Und darum, wie sich ein Ort anfühlt, wenn man ihn nicht nur besucht, sondern wirklich erlebt.

Ankommen auf Leka – langsam, still und weit

Leka liegt vor der Küste Nordnorwegens und gehört zur Helgelandregion. Entdeckt habe ich die Insel auf meiner Fahrt entlang des Kystriksveien – der legendären Fv 17, die sich direkt an der Küste entlangschlängelt und Inseln, Fjorde und kleine Orte miteinander verbindet.

Schon die Überfahrt nach Leka entschleunigt. Keine Hektik, kein Trubel. Als ich ankomme, breitet sich sofort Ruhe aus. Die Landschaft wirkt offen, weit und irgendwie archaisch. Felsen, Wasser, Himmel – alles ist präsent, nichts drängt sich auf.

Leka ist bekannt für ihre besondere Geologie. Hier treffen uralte Gesteinsschichten aufeinander, entstanden tief im Erdinneren. Das sieht man. Man spürt es. Die Farben, die Formen, die Strukturen – nichts wirkt zufällig.

Ich fahre über die Insel, halte immer wieder an, schaue, atme. Und merke schnell: Leka ist kein Ort zum „abarbeiten“. Es ist ein Ort zum Dableiben. Zum Langsamwerden.

Die Sage von Torghatten, Lekamøya und den sieben Schwestern

Bevor ich zur Wanderung aufbreche, möchte ich die Geschichte erzählen, die über dieser ganzen Region liegt. Denn sie gehört zu Leka – ob man will oder nicht.

Der Sage nach lebte der ungestüme Hestmannen, Sohn eines Königs, jenseits des Fjords. Eines Abends sah er die schöne Jungfrau Lekamøya, wie sie im Meer badete und ihr Haar kämmte. Er begehrte sie sofort und setzte zur Verfolgung an – schwer bewaffnet, rücksichtslos, getrieben.

Lekamøya floh. Die sieben Schwestern, die in der Nähe lebten, stellten sich ihm sogar entgegen, bereit, ihn zu heiraten. Doch Hestmannen hatte nur Augen für Lekamøya. Als sie ihm zu entkommen drohte, spannte er seinen Bogen und schoss einen Pfeil.

Der König der Sømnaberge sah das Unrecht und warf seinen Hut in die Flugbahn des Pfeils. Der Hut wurde durchbohrt und fiel zu Boden – dort, wo heute Torghatten steht, der Berg mit dem Loch.

Mit dem ersten Sonnenlicht versteinerten alle Beteiligten.
Die sieben Schwestern bei Sandnessjøen.
Torghatten als durchbohrter Hut.
Und Lekamøya – auf der Insel Leka, wo sie Schutz gefunden hatte.

Ob man an Sagen glaubt oder nicht: Wenn man hier unterwegs ist, fühlt sich diese Geschichte erstaunlich greifbar an.

Wanderung zur Lekamøya – hinauf zur steinernen Jungfrau

Die Lekamøya ist die bekannteste Felsformation der Insel. 106 Meter ragt der Monolith in den Himmel – schlank, markant, schon von der Fähre aus gut sichtbar. In der Sage von Helgeland ist sie die Jungfrau, die im ersten Licht des Morgens versteinert wurde. Und wenn man davorsteht, versteht man, warum sich diese Geschichte bis heute hält.

Der Startpunkt der Wanderung liegt bei Haug. Luftlinie sind es gerade einmal rund 800 Meter bis zur Felsformation, tatsächlich läuft man durch die Serpentinen gut 1,5 Kilometer pro Strecke. Der Weg ist klar erkennbar, führt aber durch felsiges Gelände, über kleine Bäche und vorbei an stillen Wasserflächen. Trittsicherheit ist hilfreich, denn der Untergrund ist stellenweise steinig und uneben.

Mit jedem Schritt wird die Lekamøya größer. Erst steht sie noch entfernt im Gelände, dann rückt sie näher, wird präsenter, fast monumental. Der Weg zieht sich in Bögen nach oben, und plötzlich steht man davor – direkt unter dieser gewaltigen Steinsäule inmitten wilder, offener Landschaft.

Ich habe mir Zeit gelassen. Bin stehen geblieben. Habe den Blick schweifen lassen, den Wind gespürt, Blaubeeren vom Wegesrand gepflückt. Die Kombination aus rauem Fels, Wasser, Weite und dieser markanten Form macht diese Wanderung besonders.

Oben angekommen steht man nicht auf einem klassischen Gipfel, sondern vor einer Erscheinung. Und genau das macht die Lekamøya aus.

Skeisnesset – Küstenheide, Geschichte und Weite

Skeisnesset liegt nördlich von Skei und ist einer dieser Orte auf Leka, an denen Natur und Geschichte ganz selbstverständlich ineinandergreifen. Schon beim Ankommen spürt man, dass hier mehr ist als „nur“ eine schöne Aussicht.

Das Gebiet ist als wertvolle Kulturlandschaft ausgewiesen und Teil des UNESCO Global Geoparks Trollfjell. Fünf markierte Wanderwege führen durch die offene Küstenheide, vorbei an Felsen, Meerblicken und immer wieder kleinen Stationen zum Innehalten. Über zwanzig Informationstafeln erzählen von der Landschaft, der Geologie und den Menschen, die hier seit Jahrtausenden gelebt haben.

Beim Gehen öffnet sich der Blick über das Meer. Die Heide schimmert je nach Licht in unterschiedlichen Farben, Gräser bewegen sich im Wind, Möwen ziehen ihre Kreise. Zwischendurch stehen prähistorische Grabhügel in der Landschaft – darunter der bekannte Herlaugshaugen aus der Wikingerzeit. Auch Spuren aus der Steinzeit sind hier zu finden. Skeisnesset erzählt von Leben, das lange vor uns hier stattgefunden hat.

Ich bin einen der Wege entlanggelaufen, habe die Tafeln gelesen, stehengeblieben, geschaut. Es fühlt sich besonders an, durch eine Landschaft zu gehen, die so viele Zeitschichten in sich trägt. Gleichzeitig ist da diese Weite, dieses offene Küstengefühl, das sofort den Kopf frei macht.

Skeisnesset verbindet für mich alles, was Leka ausmacht: rohe Felsformationen, Küstenheide, Geschichte, Meerblick und Raum zum Gehen. Ein Ort, der bewegt – Schritt für Schritt.

Ich möchte wiederkommen

Leka hat mich leise und gleichzeitig kraftvoll berührt. Diese Insel trägt ihre Geschichte in sich, in den Felsen, in den Farben, in den weiten Blicken über das Meer. Beim Gehen, beim Sitzen, beim Schauen habe ich immer wieder gemerkt, wie gut mir genau diese Mischung aus Landschaft, Mythos und Ruhe tut.

Es war wunderbar, hier unterwegs zu sein. Die Wege waren still, die Aussicht weit, die Momente echt. Gerade weil wenig los war, konnte ich Leka ganz für mich erleben – Schritt für Schritt, ohne Eile.


Leka hat mir unglaublich gut gefallen. Gerade auch, weil so wenig los war und ich die Landschaft in meinem Tempo erleben konnte. Ich würde sofort wiederkommen – es gibt noch so viel zu entdecken und zu erwandern.

Wenn du wissen möchtest, wie sich die gesamte Route entlang der Küste angefühlt hat, dann lies unbedingt meinen Artikel über den Kystriksveien – dort beginnt die Geschichte, die mich nach Leka geführt hat.

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