Kystriksveien – unterwegs von Norden nach Süden

Ich bin den Kystriksveien von Norden nach Süden gefahren.
Ohne festen Zeitplan, mit mehreren Fährfahrten und vielen Stopps unterwegs.

Der Kystriksveien verläuft direkt entlang der Küste. Straße, Meer, Inseln, Fjorde – oft alles gleichzeitig im Blick. Fähren gehören ganz selbstverständlich dazu, genauso wie kleine Orte, Brücken, Aussichtspunkte und Abschnitte, an denen man einfach anhält, weil es sich richtig anfühlt.

In diesem Artikel erzähle ich von meiner Fahrt auf der Fv 17: von ruhigen Überfahrten, von Wasserwirbeln unter Brücken, vom Blick auf den Svartisen, von spontanen Pausen am Meer – und von Abzweigungen wie Torghatten und Leka, die hier bewusst nur angerissen werden, weil sie eigene Geschichten verdienen.

Allgemeine Infos zum Kystriksveien

Der Kystriksveien ist eine der bekanntesten Küstenrouten Norwegens und verläuft entlang der Helgelandskysten im Norden des Landes. Offiziell trägt er den Namen Fylkesvei 17 (Fv 17) und verbindet auf rund 650 Kilometern die Orte Steinkjer im Süden und Bodø im Norden.

Die Route folgt nicht einer durchgehenden Straße, sondern setzt sich aus mehreren Teilstücken und insgesamt sechs Fährverbindungen zusammen. Genau das macht den Kystriksveien so besonders: Meerengen werden nicht umfahren, sondern überquert. Inseln, Fjorde und Halbinseln sind Teil der Strecke – nicht Hindernisse.

Der Kystriksveien gehört zu den Norwegischen Landschaftsrouten (Nasjonale Turistveger) und führt durch eine der abwechslungsreichsten Küstenlandschaften des Landes. Schroffe Berge, offene Meeresblicke, kleine Fischerdörfer, Inselwelten und ruhige Küstenabschnitte wechseln sich ständig ab.

Die Strecke lässt sich grundsätzlich von beiden Seiten fahren. Viele starten in Steinkjer und fahren nach Norden, andere – so wie ich – beginnen im Norden und lassen die Landschaft langsam weicher werden, je weiter man nach Süden kommt.

Die beste Reisezeit liegt zwischen Mai und September. Im Sommer sorgen lange Tage und viel Licht für entspannte Etappen, während Früh- und Spätsommer oft ruhiger sind und sich besonders intensiv anfühlen. Mit dem Van oder Camper ist der Kystriksveien sehr gut machbar – vorausgesetzt, man bringt Zeit mit.

Wenn du die Route selbst fahren möchtest, kann ein guter Reiseführer helfen, Entfernungen, Fähren und Abzweigungen besser einzuordnen. Ich empfehle dir diesen: Norwegens Norden – Kystriksveien und Helgeland: 50 Tipps abseits der ausgetretenen Pfade*

Schlafplatz am Kystriksveien

Was den Kystriksveien so besonders macht

Der Kystriksveien verläuft entlang der nordnorwegischen Küste und verbindet kleine Orte, Inseln, Fjorde und Halbinseln. Statt Tunnel, Autobahn und Tempo bekommst du hier:

  • schmale Straßen direkt am Wasser
  • Fähren als selbstverständlichen Teil der Route
  • ständig wechselnde Landschaften
  • und dieses Gefühl, dass der Weg wichtiger ist als das Ziel

Man fährt nicht durch diese Region – man ist mittendrin.

Unterwegs von Norden nach Süden

Ich bin den Kystriksveien von Norden nach Süden gefahren.
Nicht, weil ich mir diese Richtung vorher fest vorgenommen hatte, sondern weil sie sich unterwegs ergeben hat.

Meine Route durch Norwegen hat sich Schritt für Schritt entwickelt. Entscheidungen sind oft erst auf der Straße gefallen: Wo fahre ich weiter, wo bleibe ich, welche Abzweigung fühlt sich gerade richtig an. Irgendwann war klar, dass ich auf dem Kystriksveien von Norden nach Süden unterwegs bin – ganz ohne großen Plan.

Es gab Tage mit mehr Strecke und Tage, an denen ich kaum vorangekommen bin, weil ich ständig angehalten habe. Nicht aus Pflichtgefühl, sondern weil es gepasst hat. Weil der Blick gut war. Weil das Meer da war. Oder weil ich einfach bleiben wollte.

Diese Art zu reisen hat dem Kystriksveien genau den Raum gegeben, den er braucht.

Unterwegs anhalten, wo es sich richtig anfühlt

Was den Kystriksveien für mich so besonders gemacht hat, waren nicht einzelne „Top-Spots“, sondern diese ungeplanten Momente:

  • ein Parkplatz mit Blick aufs offene Meer
  • eine kleine Straße, die plötzlich alles öffnet
  • ein Ort, an dem man einfach stehen bleibt

Hier muss man nichts planen. Man muss nur hinschauen.

Fähren auf dem Kystriksveien – entspannter als gedacht

Fähren waren für mich im Vorfeld ein echtes Thema.
Ich werde sehr schnell seekrank und hatte nach der Überfahrt von Senja nach Andøya ehrlich gesagt richtig Respekt vor allem, was noch kommen sollte. Hier gibt es das Video zur Fährfahrt Senja nach Andøya.

Umso überraschter war ich dann auf dem Kystriksveien.
Alle Fährfahrten dort waren ruhig. Wirklich ruhig. Kaum Wellengang, keine Hektik, kein Stress. Ich bin jedes Mal, wenn es ging, direkt nach draußen an Deck gegangen, habe mich an die Reling gestellt und die Aussicht genossen.

Man fährt auf die Fähre, stellt den Motor ab, geht raus – und plötzlich gehört die Überfahrt einfach dazu. Wasser, Inseln, Küste, Licht. Keine Übergangssituation, sondern Teil der Route.

Auf der Fähre über den Polarkreis

Gerade mit meiner Vorgeschichte hat mir das unglaublich viel Druck genommen. Die Fähren auf dem Kystriksveien waren für mich keine Hürde, sondern kleine Pausen. Momente zum Durchatmen. Und am Ende sogar etwas, auf das ich mich gefreut habe.

Hålogalandsbrua – Wasserwirbel und Weite

Ein Moment, der hängen geblieben ist: die Hålogalandsbrua.
Nicht wegen der Brücke an sich – sondern wegen dem, was darunter passiert.

Das Wasser bewegt sich, wirbelt, zieht.
Man steht da, schaut nach unten und merkt, wie klein man ist. Und gleichzeitig ruhig. Diese Mischung aus Kraft und Gelassenheit kann Norwegen einfach besonders gut.

Blick auf den Svartisen – still und groß zugleich

Ein Aussichtspunkt mit Blick auf den Svartisen.
Kein großer Auftritt. Kein Spektakel. Nur dieser Gletscher in der Ferne.

Still. Weiß. Unbeeindruckt. So ein Moment, in dem man automatisch leiser wird. Und merkt, dass nicht alles kommentiert oder festgehalten werden muss.

Eine spontane Wanderung bei Breimo – unterwegs im Gebiet der Sieben Schwestern

Eigentlich dachte ich, ich sei direkt am Parkplatz bei den Sieben Schwestern.
War ich aber nicht ganz. Ich war einen Parkplatz davor, im Gebiet rund um Breimo – und genau das war rückblickend ziemlich perfekt.

Schon am Start zeigen Schilder und Infotafeln, dass man hier mitten im Wegenetz der Sieben Schwestern steht. Namen wie Dronningruta, Botnkrona oder Grytfoten tauchen auf. Große Touren. Viele Möglichkeiten. Ich bin einfach erstmal los gelaufen und als ich mich dann für links oder rechts entscheiden musste bin ich den Schildern nach links in Richtung Bontkrona und Drinningruta abgebogen.

Der Weg war von Anfang an ruhig und richtig schön. Schmaler Pfad, Fjell, Birken, offene Landschaft. Kein Gedränge, keine Hektik. Nur gehen, schauen, atmen. Der Blick öffnet sich Stück für Stück, die Umgebung wird weiter, klarer, nordischer.

Ich bin so lange gelaufen, bis ich an einem Wasserreservoir angekommen bin. Glattes Wasser, Spiegelungen, diese besondere Stille, die sich sofort einstellt. Genau dort habe ich meine Tour beendet. Nicht, weil es nicht weiterginge – sondern weil es genug war.

Ein Platz zum Sitzen. Zum Schauen. Zum Bleiben.
Manchmal ist genau das der richtige Moment: nicht noch einen Gipfel mitzunehmen, sondern das anzunehmen, was gerade da ist.

Nach einer wunderbaren Pause mit Picknick und ganz viel Aussicht genießen, bin ich auf dem gleichen Weg wieder zurück zu Fred gegangen.

Diese Wanderung hatte keinen großen Namen für mich.
Aber sie hatte alles, was ich unterwegs suche: Weite, Ruhe, Natur – und dieses Gefühl, genau richtig zu sein, wo ich gerade stehe.

frau steht auf einer klippe und schaut n die ferne

Wanderung zum Torghatten – ein Erlebnis mit eigener Geschichte

Der Torghatten ist eines dieser Naturphänomene, von denen man schon lange gehört hat, bevor man selbst davorsteht. Ein Berg mit einem riesigen Loch mitten hindurch – fast unwirklich.

Die Wanderung hinauf und durch das Loch ist kein kurzer Spaziergang, aber gut machbar. Stufen, Fels, ein stetiger Anstieg – und irgendwann öffnet sich dieser Blick. Man geht tatsächlich durch den Berg hindurch und steht auf der anderen Seite mit einer Aussicht, die plötzlich alles still werden lässt.

Der Torghatten ist tief mit den Sagen der Region verbunden und steht in enger Verbindung zu Orten wie Leka, den Sieben Schwestern und dem Hestmannen. Diese Geschichten machen den Ort noch greifbarer, ohne ihm etwas aufzudrücken.

Für mich war klar: Diese Wanderung braucht Raum. Deshalb bleibt sie hier bewusst angerissen – und bekommt ihren eigenen Artikel, in dem ich sie ausführlich erzähle.

Abstecher nach Leka – eine Landschaft, die anders ist

Auch Leka ist kein klassischer Zwischenstopp. Die Insel fühlt sich vom ersten Moment an anders an als der Rest des Kystriksveien. Die Landschaft ist rauer, farbiger, ursprünglicher. Gesteinsschichten liegen offen, Formen wirken archaisch, fast fremd.

Leka gehört geologisch zu den spannendsten Regionen Norwegens und ist Teil eines UNESCO-Geoparks. Gleichzeitig ist die Insel ruhig, weit und wenig überlaufen. Man ist schnell draußen, schnell in der Landschaft, schnell bei sich.

Auch hier gilt: Ein Absatz reicht nicht. Leka ist ein Ort, den man nicht zusammenfassen sollte. Deshalb bleibt es an dieser Stelle bei einem Eindruck – und einem eigenen Artikel, den du hier Lesen kannst: Leka Norwegen – Lekamøya und Skeisnesset

Warum der Kystriksveien bleibt

Der Kystriksveien ist keine Straße, die man abhakt.
Er ist eine Einladung, langsamer zu werden. Und genauer hinzuschauen.

Der Kystriksveien hat mir genau das gegeben, was ich unterwegs gesucht habe: Ruhe, Weite und das Gefühl, nicht irgendwo ankommen zu müssen. Diese Route funktioniert nicht nach Zeitplan – sondern nach Aufmerksamkeit. Und genau deshalb bleibt sie.

Gedanken von unterwegs – und aus dem Leben

In meinem Newsletter teile ich Reise-Momente von unterwegs, Gedanken zum Alleinreisen, zum Wandern und zum Schreiben – und Einblicke in das, was mich gerade beschäftigt und bewegt.

Es geht um persönliche Entwicklung, um Entscheidungen, um Ruhe und Weite in der Natur – und darum, den eigenen Weg bewusster zu gehen. Unterwegs und im Alltag.

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