Manchmal gibt es Orte, bei denen man schon nach den ersten Schritten merkt:
Hier wird es leiser. Weiter. Klarer.
Der Fulufjället Nationalpark liegt ganz im Westen der schwedischen Provinz Dalarna, direkt an der Grenze zu Norwegen. Eine Hochfläche, die sich deutlich vom restlichen Schweden unterscheidet. Rau. Offen. Weit. Und genau deshalb so besonders.
Ich war hier unterwegs, um zum berühmtesten Ziel des Parks zu wandern: dem Njupeskär-Wasserfall. Und auch wenn dieser Wasserfall oft als Highlight genannt wird – der Weg dorthin ist mindestens genauso eindrucksvoll.
Ankommen im Fulufjället
Schon die Anfahrt fühlt sich anders an. Wälder, immer weniger Häuser, dann plötzlich diese Weite. Das Fulufjället ist kein klassischer Berg, sondern ein Hochplateau. Die Landschaft wirkt fast ein bisschen karg, aber genau darin liegt ihre Schönheit.

Am Parkplatz angekommen ist alles gut organisiert: Informationstafeln, klare Wege, kein Chaos. Trotzdem fühlt es sich nicht überlaufen an. Eher ruhig. Geordnet. Unaufgeregt.
Einmal tief durchatmen. Rucksack richten. Losgehen.

Der Weg zum Wasserfall – leicht, weit und voller Eindrücke
Die Wanderung zum Njupeskär ist technisch einfach, aber landschaftlich alles andere als langweilig. Der Weg führt zunächst über breite Pfade, später über Holzstege und schmale Abschnitte durch Moor- und Waldlandschaft.

Was sofort auffällt: der Himmel.
Er wirkt hier oben größer. Offener. Und je weiter man geht, desto mehr verschwindet das Gefühl für Zeit. Es ist eine dieser Wanderungen, bei denen man nicht hetzt. Nicht zählen muss, wie viele Kilometer noch kommen. Man geht einfach.
Unterwegs begleitet einen immer wieder das Wasser. Kleine Bäche. Feuchte Stellen. Geräusche, die sich mit dem Wind mischen. Alles wirkt klar und aufgeräumt – fast so, als hätte die Landschaft selbst entschieden, was hier wichtig ist und was nicht.

Der älteste Baum der Welt – still und unspektakulär besonders
Nicht weit vom Weg entfernt steht er.
Der Baum, der als einer der ältesten bekannten Bäume der Welt gilt.
Ich habe ihn bewusst nicht besucht, sondern nur gewusst: Er ist da. Irgendwo hier oben. Mehr als 9.000 Jahre alt. Und genau das hat gereicht.
Für mich war das kein Ort für ein Foto oder ein Abhaken. Sondern eher ein stiller Gedanke beim Weitergehen: Wie viele Leben, wie viele Veränderungen, wie viele Jahrtausende dieser Ort schon gesehen hat. Und wie klein alles wirkt, wenn man das zulässt.
Manchmal ist Wissen genug. Man muss nicht überall stehen bleiben.

Der Njupeskär-Wasserfall – kraftvoll, laut und ganz nah
Und dann verändert sich etwas.
Das Geräusch wird lauter. Tiefer. Kraftvoller.
Der Njupeskär-Wasserfall ist mit rund 93 Metern der höchste Wasserfall Schwedens. Das Wasser stürzt in mehreren Stufen in die Tiefe, eingerahmt von steilen Felswänden. Schon aus der Entfernung spürt man seine Präsenz – dieses permanente Rauschen, das alles andere in den Hintergrund drängt.

Es gibt die Möglichkeit, den Wasserfall sowohl von oben als auch von unten zu betrachten. Viele kombinieren beides.
Ich selbst bin nur nach unten gegangen.
Der Abstieg ist gut machbar, aber deutlich steiler als der Weg zuvor. Und dann steht man plötzlich direkt davor. Das Wasser fällt mit enormer Kraft herab, feiner Sprühnebel liegt in der Luft, die Geräusche sind intensiv, fast körperlich spürbar.
Ich bin eine Weile geblieben. Habe geschaut. Gelauscht. Nichts gemacht.
Von unten wirkt der Wasserfall nicht nur hoch, sondern lebendig. Roh. Ungebändigt.
Für mich war dieser Blick vollkommen ausreichend. Mehr brauchte es nicht.

Zurück durch Weite und Ruhe
Der Rückweg fühlt sich anders an. Nicht, weil der Weg sich verändert, sondern weil man selbst es tut. Etwas langsamer. Etwas stiller. Vielleicht auch ein bisschen voller.
Das Fulufjället ist kein Nationalpark, der einen mit Sehenswürdigkeiten überfordert. Er wirkt eher wie ein Raum. Einer, in dem man sich bewegen darf. Ohne Druck. Ohne Erwartung.

Warum sich der Fulufjället Nationalpark lohnt
Diese Wanderung ist perfekt, wenn du:
- Natur erleben willst, ohne extrem zu wandern
- Weite suchst statt spektakulärer Action
- einen Wasserfall sehen möchtest, der wirklich Eindruck hinterlässt
- einen Ort suchst, der ruhig wirkt und trotzdem stark ist

Der Fulufjället Nationalpark ist kein Ort für Eile. Und auch keiner, den man „mal eben“ macht. Er entfaltet seine Wirkung langsam – Schritt für Schritt.
Und vielleicht ist genau das seine größte Stärke.
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